Schiefer

Begriff, Entstehung und Historie

Schiefer gehört zu den ältesten Baustoffen überhaupt. Am Anfang der menschlichen Bauweise stand das Dach (Nurdach-Haus), und mit der erste Massivbaustoff war Schiefer. In Mitteleuropa ist die Verwendung von Platten- und Dachschiefer seit der Jungsteinzeit belegt. Zur Römerzeit gab es bereits eine hoch stehende Dachschiefer-Verlege-Technologie.
Dach- und Wandschiefer sind sehr schwach metamorphe (very low grade) Gesteine, die aus tiefen, feinkörnigen (pelitisch und pelitisch-psammitisch) Meeresablagerungen entstanden sind. Erst durch eine durchgreifende Durchschieferung (Transversalschieferung) entsteht der Dachschiefer während der Orogenese als Tektonit.
Die meisten Dachschiefer entstammen jungproterozoischen und altpaläozoischen Gebirgsgürteln als Edukt passiver Kontinentalränder. Insbesondere die Schiefer des Rheinischen Schiefergebirges (aber auch Nordwest-Spaniens) sind durch eine an Überschiebungen und Deckenbahnen gebundene Schieferung charakterisiert, die das sedimentäre Gefüge völlig überprägt hat (Temperatur < 300 C°, P = 2 - 4 Kbar).

Technisch handelt es sich bei Dachschiefern um ebenmäßig dünn spaltbare Gesteine (2 - 4, im Mittel 3 mm, 4 - 6, im Mittel 5 mm) mit einem verwitterungsbeständigen Mineralbestand ohne übermäßig Karbonat, instabilen Erzmineralen oder organischem Kohlenstoff.
Die Masse der Weltproduktion an Dach- und Wandschiefer kommt heute aus Nordwest-Spanien. Daneben gibt es wesentliche Produktionen in Frankreich, Großbritannien und Deutschland, ferner in Brasilien, Südost-Asien, Indien, Südafrika und den USA.
In den letzten beiden Jahrzehnten ist eine erfreuliche Rückbesinnung zum Naturprodukt Schiefer zu verzeichnen, das auch in der jungen, modernen Architektur zunehmend Eingang findet.

So deckten die Vorfahren - Geschichte des Dachschiefers  


Seit wann der Mensch Schiefer zur Dachdeckung nutzt, liegt im Dunkeln der Vorzeit. In jedem Fall ist er einer der ältesten Bedachungsprodukte überhaupt. Wann er zum modernen Bedachungsprodukt mit Verlegetechnik und festen Regeln wurde, ist ebenfalls unbekannt. Immerhin hat das französische Wort für Dachschiefer "Ardoises" einen keltischen Ursprung (keltisch "ard" für "hoch", ähnlich wie bei "Ard"-dennen).


In jedem Fall beherrschten die Römer schon eine perfekte Schieferdach-Technologie. Sie benutzten dabei Sechseck-Formate mit meist einem zentralen Nagelloch an der oberen Spitze. 

Je nach Dachneigung wurden bereits unterschiedliche Formate und unterschiedlichen Überdeckungen verwendet. Flache Dächer hatten große Formate mit großen Überdeckungen, steilere Dächer kleinere Formate mit weniger Überdeckung. Eine ähnliche Deckart gibt es noch heute in leicht abgewandelter Form als Spitzwinkeldeckung.
Diese römische Schiefertechnologie ist nicht nur aus Funden von Decksteinen in Ausgrabungen bekannt, sondern es gibt sogar eine perfekte Abbildung dieser Deckart und zwar in der spätrömischen Albanagruft unter der St. Matthias-Basilika in Trier. Der Sacrophag-Deckel des Hauptgrabes besitzt eine detaillierte Darstellung der überlappende Verlegung eines Schieferdaches und ist so ein hervorragendes handwerksgeschichtliches Dokument.



Die Darstellung eines Schieferdaches in der spätrömischen Albana- Gruft in Trier 



Ein stilisirtes Schieferdach auf einer "Aedicula" (Hausmodell), aus Luxemburg

Die Römer konnten es aber auch anders: Neueste Funde am Katzenberg zeigen, dass sie auch z.B. für die dortigen Rundtürme der Höhenbefestigung schon Schuppenförmige Formate verwenden konnten, wie die noch heute existierende Altdeutsche Deckung.

Lange hatte man gemeint, dass die altdeutsche Deckung typisch für das Mittelalter in Mitteleuropa war und dort auch entstanden war. Schablonendeckarten kamen in unserem Raum erst im 19. Jahrhundert auf, so z.B. die Schuppenschablonendeckung. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts verwendete man bei Dachschieferarbeiten auch den Bogenschnitt.